
Die meisten erzählen mir zunächst, dass sie einen Offenstall suchen.
Nicht nur jene mit Robustrassen, nein, nahezu jeder!
Offenstall ist im Trend und das beste für jedes Pferd!
Das ist leider nicht wahr, nicht für jedes Pferd ist der Offenstall geeignet. Und dabei möchte ich jetzt nicht nur darauf eingehen, dass nur Robustpferde fähig sind in einem Offenstall zu leben.
Offenställe gibt es mittlerweile in so vielen unterschiedlichen Formen, dass sogar ein sehr empfindliches Pferd in einem Ofenstall, der auf diese Bedürfnisse eingerichtet ist, untergebracht werden kann.
Offenstall ist nicht gleich Offenstall.
Es gibt jene so genannten Offenställe, wo eine Hütte auf einer Weide steht, zusätzlich gibt es einige Heuraufen, manchmal nicht einmal dies, tada, das ist der Offenstall.
So etwas ähnliches hatte ich bereits in den 80er Jahren, damals jedoch nannte man das nicht Offenstall, es war unsere äußerst luxuriöse Sommerweide, auf der gar eine ordentlich gezimmerte große Hütte stand, komplett eingerichtet mit drei Boxen, einer kleinen Sattelkammer und einer Futterkammer.
So sind heutzutage nicht einmal einige Offenställe eingerichtet.
Und sogar diese Variante ist nicht optimal.
Was eigentlich ist optimal?
Hier mal ein paar wenige Punkte, worauf man unbedingt achten sollte, wenn man einen Offenstall in Betracht zieht.
Zunächst einmal sollte er in jedem Fall gut mit dem Auto erreichbar sein, denn auch Tierarzt, Hufschmied und eventuell andere Menschen, die beruflich kommen, wie Trainer, Osteopathen, Sattler etc. sollten den Stall gut finden und erreichen können.
Der Stall bzw. der Unterstand sollte genauso viel Platz pro Pferd bieten, wie es ein regulärer Stall mit Boxen macht.
Hier gibt es natürlich vorgeschriebene Normen, eine Box sollte die doppelte Widerristhöhe zum Quadrat an Platz bieten, das wären bei einem Pferd von 1,50 m 9 m², bei 1,70 m 12 m², auch sollte beachtet werden, dass die Höhe passt, die Stalltür breit genug ist und die Stallwände glatt sind, um Verletzungen zu vermeiden.
Der Stall sollte hell und luftig, jedoch nicht zugig sein.
Der Stall sollte sowohl eine Quarantänebox bei etwaigen Erkrankungen oder Verletzungen bieten, als auch eine Eingewöhnungsareal für neue Pferde bieten.
Der Paddock sollte befestigt sein, so dass er bei Regen nicht zu einer Schlammwüste wird. Er sollte genügend Bewegungsfreiheit für alle Pferde bieten und es sollte so viele Raufenplätze wie Pferde am Stall geben.
Meist ist es sogar gut, mehrere Raufen stehen zu haben, damit auch niederrangige Pferde einfach an das Heu kommen.
Die Tränken sollten immer frisches Wasser bieten und genügend gesichert sein, optimal sind sie beheizt, so dass das Wasser schleppen im Winter entfällt.
Eine Schleuse, um das eigene Pferd sicher von der Herde wegführen zu können, ist kein Luxus, sondern meist notwendig.
Ein Platz an dem man sein Pferd in Ruhe füttern, putzen und satteln kann, ist unabdingbar.
Im besten Fall ist an diesem Platz sowohl der Zugang zur Sattel-, als auch zur Futterkammer.
Sattel- und Futterkammer sollten zudem getrennt sein.
Ein kleineres Lager für Einstreu und Heu für den Bedarf von mindestens einer Woche sollte existieren.
Das sind die Mindestanforderungen, die man an einen Offenstall haben sollte. Darüber hinaus gibt es natürlich noch viele andere Dinge, die wünschenswert sind. Jeder sollte hier unbedingt darauf achten, was für ihn und sein Pferd wichtig ist.
Zunächst stellt sich die Frage nach dem Einstreu. Man sollte nur einen solchen Stall wählen, wenn man weiß, dass das eigene Pferd mit eben diesem Einstreu zurecht kommt.
Benötigt man selbst fließendes Wasser oder Strom. Wie groß sind die Weiden und wie weit sind diese vom Stall entfernt.
Wer bringt die Pferde zur Weide und holt sie wieder hinein. Sind die Weiden für das eigene Pferd geeignet?
Hat man ein Rehepony, sollte man abklären, ob zur Weidezeit auch noch weitere Ponys oder Pferde auf dem Paddock stehen, bzw. es für diese eine geeignete Magerweide gibt.
Hat man einen Ekzemer, sollte man darauf achten, dass der Stall und/oder die Weiden nicht unmittelbar an einem Gewässer oder einem Wald sind.
Legt man Wert auf eine gute und gesellige Stallgemeinschaft, wäre es schön, wenn es ein Reiterstübchen gibt, das man bei jedem Wetter nutzen kann.
Weiterhin sollte man sich natürlich ebenfalls Gedanken darüber machen, welche Anlangen man sich wünscht: Roundpen, Reitplatz, Halle, Rasenplatz und natürlich auch gleich in welcher Größe man dies benötigt.
Auch die Gegebenheiten des Geländes sollte man erkunden.
Niemand wird in dem schönsten Offenstall ever glücklich, wenn er ein Jungpferd ausbilden möchte, das Probleme beim verladen macht, die nächste Halle oder der nächste Platz jedoch nur mit dem Hänger erreichbar ist.
Ebenso wenig glücklich wird der Geländereiter, wenn man viel Asphalt und wenig Feld- und Waldwege, oder viele Wege, auf denen das reiten verboten ist, vorfindet.
Selbstverständlich sollte man sich darüber informieren in welche Umfang an sich einbringen muss, Stalldienste, Pferde zur Weide bringen oder von der Weide holen, wer füttert, wer ist für den eventuellen Wasserwagen zuständig, wie und wer erledigt die Weidepflege, Instandhaltung der Zäune, des Stalls oder des Platzes, der Halle etc.
Braucht man im Falle einer Krankheit oder des Urlaubs eine Vertretung oder wird dies von der Stallgemeinschaft aufgefangen.
Bei diesen letzten Punkten muss man auch absolut ehrlich zu sich selbst sein. Wie viel kann und möchte an selbst leisten. Wenn einem zwar alles gefällt, es jedoch an der Einbringung scheitert, ist Frust und Streit sehr schnell angesagt.
Bedenkt immer, dass Pferde sehr sensible Tiere sind, denen ein Stallwechsel großer Stress verursacht, daher bitte nur einem Stall zusagen, wenn ihr wirklich mit ALLEM einverstanden seid.