
Es gibt tatsächlich auch Menschen, die ihr Pferd von vornherein gern in Boxenhaltung hätten.
Ja, das Ganze hört sich nun für viele an wie „Käfighaltung“, vor allem für die Fraktion der Offenstallbefürworter.
Dass dem nicht so ist und die Vorurteile der „Käfighaltung“ zwar auf einige Ställe, jedoch nicht auf alle zutrifft, möchte ich euch hier gerne aufzeigen.
Es sind nicht nur Turnierreiter oder Möchtegerns, die ihr Pferd in Boxenhaltung wünschen, es sind durchaus auch sehr ernstzunehmende Menschen, die ihrem Pferd das Beste bieten möchten.
Wenn ihr euch gut durchgelesen habt, wie der perfekte Offenstall aussehen sollte, habt ihr nun eine kleine Ahnung davon, dass es nicht jedem Pferd bekommt, in einem Offenstall zu stehen, schon gar nicht, da es die perfekten Voraussetzungen für einen Offenstall nur selten gibt.
Die meisten Offenställe sehen ganz anders aus, als das, was man sich für sein Pferd wünscht.
Immer wieder kommt es dazu, dass man Pferde im Schlamm versinken sieht,
Strahlfäule ist noch das Geringste, was ein Pferd dabei davon trägt.
Lilly kommt aus einem Offenstall, in dem absolut nichts stimmte, obwohl dieser sogar einen sehr guten Ruf hat. Wohl wegen der vielen Trainingsmöglichkeiten und die Annehmlichkeiten für Reiter, doch für Pferde ist dieser Stall ungeeignet.
Lilly hatte selbstverständlich Strahlfäule, sie stand fast bis zum Bauch im Schlamm, sie war abgemagert und stocksteif! Letzteres ist absolut ernst zu nehmen, da es auf Dauer wirklich auf die Gelenke geht.
Als Lilly zu mir kam, bekam sie aufgrund dieser Problematiken sogar eine Innenbox, erst mal sollte sie sich aufwärmen und natürlich endlich mal wieder im Liegen schlafen können.
Eigenes ausreichendes Futter kannte Lilly während der Zeit im Offenstall nicht. Für niederrangige Pferde ist es schwierig, optimal mit Raufutter versorgt zu werden, wenn zu wenig Fressplätze bereit stehen. So konnte man bei Lilly am Anfang beobachten, wie sie ihr Heu quasi inhalierte. Die Angst, dass es ihr jemand wegfrisst war groß. Das Schlingen birgt Gefahren, vom einfachen Kotwasser über Koliken bis hin zur Schlundverstopfung. Oft muss man bei der Umstellung auf Boxenhaltung das Futter rationieren und mehrfach über den Tag verteilt die benötigte Heumenge in kleinen Rationen geben.
Lilly hatte zum Glück „nur“ Kotwasser. Es dauerte knapp drei Monate, bis Lilly klar war, dass niemand ihr das Heu streitig macht und anfing, sich das Heu selbst einzuteilen.
Kurz und gut, findet man im sich selbst gesetzten Umkreis keinen geeigneten Offenstall, sollte man dem Pferd zuliebe die Boxenhaltung bevorzugen. Die Gesundheit der Pferde ist wichtiger, als die romantische Vorstellung, ein Pferd so frei und pferdegerecht wie möglich zu halten.
Zu wenig Futter, kein Schlafplatz und schlechte Auslaufmöglichkeiten schaden dem Pferd.
Aber natürlich gibt es auch hier wieder unendlich viele Unterschiede.
Das Erste worauf ihr achten solltet, ist in jedem Fall die Boxengröße. Man spricht von doppelter Widerristhöhe zum Quadrat, wenn man von der artgerechten Boxengröße ausgeht. Rechnet man, kommt man sehr schell darauf, dass eine Box, je nach Größe des Pferdes, zwischen 9 und 12 m² groß sein sollte.
Es ist zu bedenken, dass Pferde Herdentiere sind und somit den Sozialkontakt zu anderen Pferden benötigen. Wir sprechen hier von Sicht- und Riechweite, also bitte immer darauf achten, dass es weitere Pferde in dem Stall gibt, die das eigene Pferd sehen und riechen kann.
Der Stall sollte gut belüftet sein, die Fenster sollten zum Schutz vor Verletzungen vergittert sein.
Die Türen sollten pferdesicher verriegelt werden können! Ich habe in letzter Zeit so häufig veraltete Boxenschlösser gesehen, ich konnte es gar nicht fassen.
Meine Clowns hätten sich da schon längst selbstständig gemacht.
Ein großes Augenmerk sollte man auf die Anbringung der Futtertröge, der Selbsttränken und der Heuraufen haben.
Sie sollten pferdegerecht, das bedeutet in sinnvoller Höhe angebracht sein. Ein Pferd frisst in der Natur vom Boden, diese Haltung sollten wir anstreben. Diese natürliche Fresshaltung der Pferde kommt sowohl dem Rücken, als auch der Verdauung zu Gute.
Daher solltet ihr vor allem darauf achten, dass es entweder keine Heuraufen gibt, oder aber wenn diese vorhanden sind, sie nicht zur Fütterung verwendet werden. Raufutter sollte möglichst immer vom Boden gefüttert werden. Ist dies nicht möglich, da das Pferd schlingt, sollten entsprechende Vorrichtungen wie Heunetze oder Heuboxen so bodennah wie möglich angebracht werden.
Die Futtertröge für das Kraftfutter, sowie die Selbsttränken sollten ebenfalls nicht zu hoch angebracht sein.
Die Stallgasse sollte breit genug sein, damit auch zwei oder mehrere Pferde aneinander vorbei gehen können, ohne sich direkt berühren zu müssen.
Bedenkt immer, dass es zu einem Notfall kommen könnte, bei dem man alle Pferde auf einmal aus dem Stall holen muss. Ist die Stallgasse zu eng und die Pferde fühlen sich bedrängt, kommt es zu Panik, die es gerade in einem Notfall zu vermeiden gilt.
Weiterhin gibt es genügend Pferdebesitzer, die zu unsicher sind und mit einem Pferd nicht so gut umgehen können. Gerade diese kommen in engen Bereichen immer wieder in Bedrängnis.
Ein guter Stall zeichnet sich auch dadurch aus, dass es genügend Anbindemöglichkeiten gibt, die dem Pferd einen gewissen Freiraum lassen. Beim Putzen und Satteln braucht man Platz. Wenn man kaum hinter dem Pferd vorbei laufen kann, könnte man selbst oder jemand anderes einen Tritt kassieren.
Ein Waschplatz ist ebenfalls wünschenswert. Nicht nur im Sommer sollte man auf gute Hufpflege achten und diese ab und zu waschen. Das jedoch in der Stallgasse zu machen ist nicht optimal, da es gerade in den kalten Monaten länger dauern könnte bis der Boden trocknet, bei sehr niedrigen Temperaturen riskiert man gar, dass das Wasser auf dem Boden gefriert.
Ein Waschplatz wird natürlich weiterhin benötigt, um im Sommer das komplette Pferd zu waschen, oder zumindest nach dem Reiten ein wenig abzukühlen. Langhaar und Genitalien sollten regelmäßig gewaschen werden. Nicht zu vergessen, dass Wunden ab und an gespült werden sollten. Man sieht, so ein Waschplatz ist nicht zu unterschätzen.
Bei einem Stall mit Boxenhaltung ist es wichttig, dass das Pferd täglich bewegt wird. Es nutzt der schönste und modernste Stall nichts, wenn die Pferde nur in der Box stehen, denn dies ist absolut nicht artgerecht.
Es gibt auch in der Boxenhaltung unterschiedliche System von der Selbstversorgung bis hin zur Vollpension.
Und selbst bei der Vollpension gibt es Unterschiede!
Die wichtigsten Punkte müssen immer direkt angesprochen werden.
Wie im Offenstall auch ist natürlich absolut wichtig, das Leistungsspektrum zu wissen.
Einstreu: Welches Einstreu wird gestellt und ist sie sowohl für Pferd, als auch für den Besitzer akzeptabel.
Es gibt viele Ställe, in denen nur Stroh als Einstreu bereitgestellt wird. Verträgt unser Pferd dies aus verschiedenen Gründen nicht, muss man natürlich wissen, ob der Stallbesitzer oder man selbst für ein geeignetes Einstreu sorgen muss.
Welches Futter wird gefüttert und wie ist es beschaffen? Vor allem beim Heu solltet ihr euch davon überzeugen, dass es eine gute und möglichst staubfreie Qualität hat. Ebenso wieder daran denken, das Heulage nur mit eurer Zustimmung gefüttert wird! Heulage ist für die Stallbesitzer wesentlich attraktiver als Heu. Für euer Pferd ist jedoch Heu wesentlich attraktiver und selbstverständlich gesünder!
Über Heulage wird es einen eigenen Artikel geben.
Auch sollte die Gabe von Kraftfutter hinterfragt werden. Gibt es vom Stall aus Kraftfutter, wenn ja, welches und in welcher Menge.
In vielen Ställen gibt es auch noch Hafer oder Rübenschnitzel. Möchtet ihr weder das eine noch das andere, müsst ihr das Kraftfutter meist zukaufen. Beim Zukauf sollte darauf geachtet werden, dass es eine Futterkammer gibt, in der ihr euer eigenes Futter lagern könnt. Die Sattelkammer für das Futter zu nutzen, ist die schlechteste Option. Ebenfalls muss geklärt werden, wo ihr die vorbereiteten Portionen abstellen sollt.
Die Frage des Mistens sollte ebenfalls geklärt sein. Wird gemistet oder ist dies in eurer Hand, oder könnt ihr diesen Service zubuchen.
Wie sieht es mit dem Raus- und Reinbringen auf die Weide oder den Paddock aus? Ist der Service enthalten, kann man ihn zubuchen, oder hat man selbst dafür zu sorgen?
Hier sollte jeder sehr ehrlich zu sich selbst sein, was kann man selbst leisten, wie viel Zeit hat man und was genau möchte man. Ein Selbstversorgerstall ist nichts für jemanden, der Vollzeit berufstätig ist und vielleicht sogar noch ein paar Kinder hat.
Ein Stall mit Vollpension, in dem man nicht mal selbst misten darf, ist nichts für jemanden, der sein Pferd so weit wie möglich selbst versorgen möchte.
Ein weiteres Augenmerk sollte man auch hier unbedingt auf die Trainingsmöglichkeiten haben. Die Trainingsmöglichkeiten sollten auf einen selbst abgestimmt sein. Es nutzt nichts, zwar zwei Reithallen plus Platz, Roundpen und Führanlage zu haben, wenn man selbst am liebsten ins Gelände geht, dies aber nur in geringem Maße angeboten wird oder umgekehrt.
Wer Unterricht nehmen möchte, sollte sich auch erkundigen, ob es Trainer vor Ort gibt, dabei sollte man auch gleich schauen, ob man mit diesem Trainer zurechtkommt. Es gibt einige Pensionsställe, die sich weigern, externe Trainer in der Anlage zuzulassen. Dies wird problematisch, wenn man mit den Methoden der hauseigenen Trainer nicht konform geht. Und Training benötigt schließlich jeder Reiter und jedes Pferd.
Erfragt werden sollte auch, welche Trainingsmöglichkeiten man selbst nutzen kann. Damit ist gemeint, ob es genügend Platz für das eigene individuelle Training gibt. Es gibt Anlagen, die Bodenarbeit und frei laufen in der Halle untersagen. Ich persönlich halte davon gar nichts und würde einen solchen Stall niemals in Betracht ziehen, da Bodenarbeit für mich existentiell ist. Wenn man ein Jungpferd hat, kommt man ohne Bodenarbeit absolut nicht aus, ebenfalls, wenn man einen Rentner hat, der nicht mehr reitbar ist, denn Beschäftigung muss man jedem Pferd bieten.
In einem klassischen Pensionsstall sollte man sich auch mal etwas länger umsehen, es kann gut möglich sein, dass sich dort hauptsächlich Turnierreiter tummeln. Wer nicht ständig deren Augen ausgesetzt sein möchte, sollte davon Abstand nehmen.
Eine Pro- und Kontra-Liste ist hier von Vorteil, auf die man die unbedingten Mindestanforderungen, so wie die absoluten No-Gos setzen sollte.