
Das erste, wonach man sich umschaut, wenn man in Betracht zieht, sich ein Pferd zu kaufen, ist der Stall.
Die Bedürfnisse von Pferden und ihren Besitzern sind sehr unterschiedlich, wie Pferde und Menschen auch.
Schon einmal vorweg: Den perfekten Stall gibt es nicht, NIEMALS!
Jeder hat für sich und sein Pferd bestimmte Vorstellungen, manche auch nur für sich. Immer wieder setzen sich Menschen, die sich überlegen, ein Pferd zu kaufen, mit mir in Verbindung.
Natürlich kann ich Tipps geben, doch die meisten sind schon überfordert, wenn sie nach ihren Prioritäten gefragt werden.
Was ich dann oft zu hören bekomme erinnert mich an die eierlegende Wollmilchsau.
Die Wünsche sind so groß, dass nicht einmal der best eingerichtete Stall dies leisten könnte.
Der erste Wunsch ist fast immer ein Offenstall, aber doch bitte mit dem Luxus der Vollpension. Neben dem Raufutter sollte auch das Kraftfutter gefüttert werden, Decken und Fliegenmasken sollen bitte täglich aufgezogen werden. Ebenso wäre es natürlich toll, wenn Sprays, Cremes und Tinkturen aufgetragen werden würden.
Die Nacht über soll das Pferdchen bitte im gesicherten, möglichst mit Überwachachungskameras ausgestatteten Stall stehen, dann vielleicht doch auch lieber getrennt in Boxen.
Es wäre schön, wenn rund um die Uhr jemand am Stall ist und Streithähne sofort auseinander bringt, nicht dass das eigene Pferdchen eine Blessur hat.
Die einen wünschen eine 24 Stunden Heuzufuhr, andere hingegen möchten, dass eine Fresspause von zwei Stunden zwischen den mehrmals täglich angebotenen Heurationen eingehalten wird.
Das eine Pferd sollte das Heu nur nass bekommen, das nächste bitte unbedingt Heulage, wohingegen der andere Heulage strikt ablehnt.
Der eine wünscht das Kraftfutter vom Stall gestellt, möchte aber weder den angebotenen Hafer, noch Rübenschnitzel und das Müsli ist auch nicht das richtige.
Das Kraftfutter soll in mehreren kleinen Portionen täglich gefüttert werden, sehr regelmäßig bitte, sagen die einen, bitte keine festen Zeiten, das Pferd soll nicht an Fütterungszeiten gewöhnt werden, sagen die anderen.
Die einen wünschen eine Halle, am besten das große Viereck, die anderen sind mit einem Allwetterreitplatz zufrieden, wieder andere wünschen sich einen großen Rasenplatz zum springen oder fahren. Dann gibt es natürlich jene, denen das schöne Gelände reicht.
Manche wünschen sich einen Trainer und Reitstunden vor Ort, anderen ist das zu schicky micky.
24 Stunden Weide im Sommer möglichst im Herdenverband um die Sozialisierung des Pferdes sicher zu stellen, wollen die einen, die anderen möchten die tägliche Weide, jedoch nur mit jenen Pferden, mit denen sich das eigene blind versteht.
Nicht einmal beim Einstreu ist man sich einig, bevorzugt der eine Stroh, möchte der andere lieber Späne…
Ihr seht es ist wirklich sehr schwierig, den perfekten Stall zu finden.
